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18.11.2009
Eurobarometer Spezial
"Entwicklungshilfe in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen"
Zu Beginn des Herbstes 2008 erlebte die Welt den größten finanziellen und
wirtschaftlichen Abschwung seit den 1930er Jahren. Die Auswirkungen der Krise
verstärkten sich 2009: Die Arbeitslosenrate wuchs parallel zu den steuerlichen
Zwängen an, wobei immer mehr Druck auf die Hilfsbudgets für Entwicklungsländer entstand. Da die drei baltischen Staaten und Irland große Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt hatten, waren es unter anderen diese Länder, die dies besonders betraf. Vor diesem Hintergrund führte die Generaldirektion für Entwicklung eine Eurobarometer-Studie durch, um die öffentliche Zustimmung zur Entwicklungshilfe in Zeiten von Finanzturbulenzen zu ergründen.
Der Bericht beschreibt ausführlich die Ergebnisse des Eurobarometer-Spezial, welches im Mai-Juni 2009 durchgeführt wurde.
- Trotz der ernsten Lage der wirtschaftlichen Krise, bleibt insgesamt die
öffentliche Unterstützung für Entwicklungszusammenarbeit hoch; etwa 90% der Europäer glauben immer noch daran, dass Entwicklung wichtig ist.
- In Einklang mit den „ProPoor“-Entwicklungsrichtlinien der Europäischen
Union, sieht einer von zwei Europäern die Armut als das größte Problem, mit dem Entwicklungsländer konfrontiert sind und setzt sie noch vor die
Wirtschafts- und Nahrungsmittelkrise (35%). Es scheint, dass die Europäer der Meinung sind, dass über den wirtschaftlichen Rückgang hinausgehend, die Armut das hauptsächliche strukturelle Problem ist.
- Nach einem Jahrzehnt der Kommunikation und trotz einiger Fortschritte,
bleibt die Kenntnis der Millennium-Entwicklungsziele niedrig. Fast Dreiviertel der Europäer haben noch nie von ihnen gehört. Die Europäer begreifen die großen Herausforderungen, vor denen Entwickungs-Ökonomien stehen, verstehen aber nicht, wie ihre Regierungen gegen die weltweite Armut kämpfen. Es liegt jedoch nicht am fehlenden Interesse an diesem Thema, da es 42% der Europäer begrüßen würden, wenn es eine bessere Berichterstattung über Entwicklungsprobleme geben würde.
- 72% der Europäer befürworten die bestehenden Hilfsvereinbarungen mit Entwicklungsländern oder würden noch darüber hinausgehen. Die öffentliche Unterstützung für das Motto der Europäischen Union „wir halten unsere Versprechen“ ist tatsächlich vorhanden.
- Etwa zwei Drittel der Europäer führen eigennützige Beweggründe an, Hilfe zu leisten (64%), und nennen insbesondere Themen wie Handel,
Terrorismus, Migration und politische Beziehungen mit Drittländern.
Trotzdem stimmt ein Drittel der Europäer darin überein, dass die Vereinten Nationen die beste Organisation dafür ist, den Entwicklungsländern Hilfe zukommen zu lassen. Darauf folgen die Europäische Union (26%) und die Vereinigten Staaten von Amerika (20%).
- Die Mehrheit der Europäer, die hohe Steuern zahlen (51% von diesen
Personen sind zwischen 40 bis 54 Jahre alt) stimmen zu, dass die
Europäische Union ihre Versprechen halten sollte. Allerdings sind sie auch
diejenigen, die es am wenigsten unterstützen würden, wenn die Hilfe
darüber hinausgeht, was versprochen wurde.
- Eine große Mehrheit der europäischen Bürger (61%) denkt, dass Europa
positiv zur Diskussion der weltweiten Entwicklung beitragen kann.
- Wie erwartet, wurden die Antworten in dieser Umfrage von der
sozioökonomischen Situation der Befragten beeinflusst. Die am meisten
differenzierenden Variablen sind Bildung und Alter. Auch die politische
Einstellung hat Einfluss auf die Antworten. Während etwa Zwanzigjährige als Entwicklungshilfe-Enthusiasten angesehen werden können, sind die Älteren eher skeptisch gegenüber der Entwicklungszusammenarbeit. Das Gleiche gilt für Personen mit geringerem Einkommen.
- Die Unterstützung für Entwicklungszusammenarbeit erhöht sich mit Bildung und Einkommen. Die Europäer, die durch die Globalisierung am wenigsten unter Druck geraten (junge Menschen, die noch nicht arbeiten und hoch qualifizierte Berufstätige) sind die Bevölkerungsgruppen, die die
Entwicklungszusammenarbeit am meisten unterstützen.
Die Studie kann in deutscher Sprache im Internet heruntergeladen werden unter:http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_318_de.pdf
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